Der Morgen stirbt nie…

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San Simeon – 470 Einwohner – viel geht hier also wirklich nicht. Dazu ist das Wetter an unserem Erholungstag an der Küste nicht wirklich gut. Aber eigentlich hatten wir hier einen Tag eingeplant um uns das Hearst Castle, das nord-östlich von San Simeon auf den Bergen liegt, anzuschauen. Rolf nutzte den Tag um eine Runde im Urlaub zu arbeiten – wir anderen sind nach dem Frühstück aufgebrochen. Man könnte den Besuch dort sehr einfach beschreiben: Reicher Amerikaner hatte einen kleinen Komplex und ließ deshalb eine Betonburg auf einen Berg bauen die mit Kunstwerken zugestellt und verziert wurde.

Irgendwie wird das Mr. William Randolph Hearst aber nicht gerecht. Sein Vater war einer der zehn reichsten Amerikaner seiner Zeit – weil er eben ein gewiefter Geologe war der sich gigantisch viel Land aneignete. William hatte so das Privileg mit seiner Mutter über 1,5 Jahre durch Europa zu reisen. Dort verliebte er sich in unsere großartige Kultur und Architektur. Mitte 60, nachdem er einer von Amerikas ersten Medienmogulen geworden war, beschloss er seinen Lieblingshügel in ein kleines Schloss zu verwandeln. Konkreter ein Museum der Architektur. Hearst Castle, oder vom Chief auch “Casa Grande” genannt, besteht neben dem Haupthaus mit 110 Zimmern auch aus den Gästehäusern: “Casa del Mare”, “Casa del Sol” und “Casa del Monte”. Neben den Gebäuden gibt es auf dem Komplex auch einen 43 Meter langen Pool, eigene Tennisplätze sowie einen römischen Pool im Inneren. Das komplette Areal ist gefüllt von Kunstschätzen und angelehnt an die südeuropäische Architektur. Hearst empfing auf Hearst Castle in den 20er und 30er die Hollywoodstars die Hollywood überhaupt zu dem gemacht haben was es heute ist. Da er seinen Traum gerne mit anderen teilte, war andauernd etwas los – die Gäste kamen am eigenen Flughafen an und genossen ein Wochenende in der prachtvollen Hallen von Hearst Castle. “Casa Grande” beinhaltet einen großen Versammlungsraum in dem sich die Gäste vor dem Essen versammelten. Hearst persönlich holte sie dann ab um sie ins Refektorium – seinem eigenen kleinen Rittersaal – zu führen. Dort wurde prachtvoll gespeist. Hinter Hearst ein Zepter und alles in diesem Gebäude zeigt: er hat sich eher als eine Art römischer Imperator verstanden. Nach dem Essen ging es ins Billardzimmer oder in sein eigenes kleines Heim-Kino.

Im Hauseigene Kino läuft ein Film über das unglaubliche Leben des William Randolph Hearst und zeigt begeisterte Filmstars des frühen letzten Jahrhunderts. Es ist ein bisschen wie beim großen Gatsby – wenn auch nicht ganz so tragisch.

Die Führung, die wir mit einigen Amerikanern machen, zeigt: sowas kennen sie nicht. Fragend stehen sie vor dem Chorgestühl im Refektorium und wissen nichts damit anzufangen. Hearst baute viel von dem in sein Haus was er an Europa so lieben gelernt hatte. Mir wird aber an vielen Stellen deutlich: es ist alles künstlich. An einigen Stellen ist die Fassade nie fertig verziert worden. Da sieht man: Beton mit hässlichem Putz drauf und unter der einen oder anderen römischen Statue bröckelt der Beton. Es ist eine kleine Kunstwelt eines reichen Mannes der hier zeigen konnte wie #supergeil er doch war. Irgendwann traf aber auch ihn die Rezession und mit ihr verlor auch er vieles an Geld. Das Castle wurde weniger genutzt, der größte Privatzoo der Welt (Eisbären, Giraffen, Zebras und vieles mehr) musste aufgelöst werden und 1957, sechs Jahre nach Hearsts Tod, wurde das Castle dem kalifornischen Staat übergeben. Und da steht es nun – eine wilde Mischung aus Kunst die sogar nicht in das reinpassen will, was man von San Francisco und Los Angeles kennt.

Bilder gibt es natürlich von Hearst Castle und einfach so ein paar Bilder

Lernerfolge:
– Charlie Chaplin war eigentlich blond – konnte man auf den Filmaufnahmen sehen, auf den er mit mäßigem Erfolg versucht Tennis zu spielen
– Das ganze Geld der Welt bringt einem nichts, wenn nachher doch die Frau wegläuft (gut er hatte dann ja ne Filmschauspielern als Geliebte…)
– Ein Tag lang nicht unterwegs sein ist auch ganz cool – Buch lesen, Spiele spielen, schlechten Kaffee trinken – alles ganz erholsam
– AT&T übernimmt hier landesintern Roaming für T-Mobile – da die in dieser Ecke des Landes nicht so flächendeckend vertreten sind.

P.S.: Bisher haben sich die Titel der Blogeinträge einigermaßen logisch erklären lassen. Sie folgen einem bestimmten Muster. Der heutige Titel bleibt dem treu – man muss aber etwas um die Ecke denken. Warum also dieser James Bond Titel? Wer es rausbekommt und in die Kommentare postet bekommt etwas von mir aus den US of A mitgebracht…

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3 Comments

  1. Der Schurke und Medienmogul Elliot Carver (gespielt von Jonathan Pryce) wurde vom beruflichen Stand her nach William Randolph Hearst gestaltet. Carver zitiert Hearst kurz vor dem Ende: „Der einzigartige William Randolph Hearst hat seinem Fotografen gesagt ‘Liefern sie die Fotos, ich liefere den Krieg.’ Ich bin nur einen Schritt weiter gegangen.“

    Bin gespannt 😀

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